Unsere Reiseroute (blogabond)

Mittwoch, 22. Februar 2012

Massimilliano


Massimilliano ist der Herr über den Speisesaal. Klein und zierlich steht er vor uns. Das schwarze Haar ist auf dem Kopf als Kamm geliert, ein goldener Ohrring ziert das Ohr, die Augen funkeln unternehmungslustig. Weisses Hemd mit schwarzer Kravatte zu schwarzer Hose - oder umgekehrt, um die schmale Hüfte ist eine Latzschürze mit aufgedrucktem Gilet gebunden.
Immer gut gelaunt empfängt er uns, wieselt durch den Raum, winkt begeistert mit beiden Armen. Auf die Frage, was er uns empfehlen kann, beginnt er zu schwärmen... Heute hat es frisches Fleisch; dazu rollt er schon begehrlich mit den Augen und zeigt uns die Grösse des Stückes an.... Scheint ja ein Ochse zu sein! Als Beilage eine Spezialität des Hauses. Eine Polenta-Kugel mit Spinat, überbacken mit Frischkäse... mhh sehr lecker!  Seine Empfehlungen sind immer ein Super-Wert! Wir essen ausgezeichnet. (Den Rest des „Ochsens“ kriegt Targia am nächsten Tag in freier Natur, wo sie begeistert den Knochen abnagt)
An den Werktagen ist der Speisesaal nie sehr voll, umso grösser die Überraschung am Wochenende! Als wir herunterkommen ist der Saal proppenvoll- und es kommen noch immer mehr Leute.
Massimilliano ist in seinem Element! Er wieselt nicht mehr, nein er fliegt durch den Saal, begrüsst zuvorkommend seine Gäste und hat immer die Zeit, mit allen noch zu plaudern. Die Meisten sind Bekannte und Freunde vom Dorf. Am Wochenende wird die „Donna“ des Hauses zu einer Pizza ausgeführt! Wir sind die einzigen „Ausländer“. Und noch ein paar italienische Geschäftsleute, die an die Messe in Verona kommen. Als noch über 20 Leute für eine Feier kommen, da strahlt er und ist nicht mehr zu halten. Mit seiner Begabung ist er wirklich am richtigen Arbeitsplatz! Und zwischendurch macht er sich am Kuchenschrank zu schaffen und isst rasch ein Stück für seine Stärkung; nun fuchtelt er auch noch mit der Gabel rum und schwatzt mit seinen Bekannten.

Und ein Lärm erfüllt den Saal. Alle schreien, gestikulieren und diskutieren, auch über mehrere Tische hinweg. Also, eine gefüllte Bahnhofshalle ist wie eine Strasse mit Flüsterteer - und dieser Speisesaal eine alte Piste! Aber der Lärm ist (beinahe) rundum fröhlich! Nur am Nebentisch streitet sich ein altes Paar. Er hält ihr die Hände vor das Gesicht und zählt laut von den Fingern ab - sie guckt ihn richtig böse an.  Zum Glück entdecken sie ein paar Tische weiter Bekannte und beginnen mit diesen zu schwatzen und - wieder - zu lachen!




Wir amüsieren uns köstlich, mein Italienisch hat sich, durch unseren erzwungenen Aufenthalt, wieder verbessert, wir fühlen uns richtig gut aufgehoben und können die Tage geniessen, in einem Thermalsee schwimmen gehen, den Giardino Giusti besuchen, über den Heldenweg, spazieren, ein Pfad gesäumt von alten Zypressen, durch schöne Rebberge führend.  Haben sich die Italiener doch  vor langer Zeit von den Östereichern abmurksen lassen, in ihrer Not haben sie einen Knaben losgeschickt um Hilfe zu holen, aber alles nützte nichts- die Östereicher siegten - und das sind nun Helden mit Denkmal und allem drum und dran. Aber der Weg und die Aussicht ist wunderschön!



Heute spüren wir einen Hauch von Frühling. Wir können gar in einem Strassenrestaurant, draussen an der Sonne sitzen, gegenüber der Arena und eine feine Dorade verspeisen.

Auch kam das erlösende Telefon von Davide: Euer Toyota ist fertig und abholbereit! Nun steht er auf dem Hotelparkplatz und Morgen wollen wir weiterreisen.

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