Unsere Reiseroute (blogabond)

Dienstag, 26. Juni 2012

Drum bun


Der Aussichtsberg bei Vraca - für uns ganz alleine!

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von Bulgarien. Das weinende Auge schaut zurück, bedauert, dass Bulgarien schon Vergangenheit ist.
Das Land ist wirklich sehenswert. Natürlich ist die touristische Infrastruktur noch in den Kinderschuhen, aber dies wird durch die Liebenswürdigkeit der Leute wettgemacht und das Reisen in Bulgarien ist sehr günstig. Wir fanden superschöne „wilde“ Campingplätze. Einmal hatten wir gar einen ganzen Aussichtsberg für uns alleine! Solch eine Ruhe und Frieden – und bei über 30° Tagestemperatur herrlich kühl in der Höhe!
Bei Vidin setzen wir mit der Fähre über die Donau.
Das lachende Auge schielt schon neugierig nach Rumänien....
Am Donauufer werden wir von glücklichen Säuli empfangen!
Rumänien wirkt schon viel wohlhabender. Die Häuser sind verputzt und farbig angemalt. Aber auch hier wird noch sehr viel mit den Pferden gearbeitet. Das Heuen ist in vollem Gange, alles noch in Handarbeit!. Das Gras wird mit einfachen Sensen gemäht und anschliessend von der ganzen Familie mit Holzgabeln verteilt und gewendet.

 Viele intakte Dörfer säumen die Strasse. Eine Häuserzeile mit grossen, verschlossenen Toren dazwischen. Versteckt dahinter sind die schattigen Gärten, die Scheunen und das Gehöft, mit oft einem zweiten Wohnhaus hinter dem Garten.

In Baile Herculane geraten wir ins Staunen. Überall campieren die Leute neben der Strasse, nächtigen im Auto, im Zelt oder unter einer Plastikplane. Der Grund? Sie machen hier „Badeferien“. Neben dem Flüsschen hat es eine grosse Thermalquelle. Diese ist öffentlich zugänglich und gratis. So pilgern eine Menge Leute zu den Becken und gehen baden. Neben der Quelle sind Stände mit Badkleidern, Tüchern, Imbissbuden, Cafes, um die Leute zu versorgen.
Es hat sogar einen Campingplatz in der Nähe der Quelle.
So gehen auch wir in der Menge zum Sudbecken. Uiiii das ist aber SEHR heiss!!! Und schwefelt höllenmässig teuflisch! Aber es macht Spass in einem Pulk Rumänen zu sitzen! Rundum wird geschwatzt und gelacht, natürlich verstehen wir kein Wort. Zur Abkühlung stellen wir  uns in den kühlen Fluss. Das prickelt wunderbar!!!

Natürlich besuchen wir auch das Dracula Schloss in Bran. Es ist relativ klein und verwinkelt und wir steigen zig Treppenstufen hinauf und wieder hinunter.  Ein richtiges Gedränge herrscht in den engen Räumen. Anschliessend geht ein heftiges Gewitter nieder. Von allen Seiten blitzt und donnert es, so richtig Vampir like,  wir stehen auch auf dem Camping Vampire; richtig gruselig....

Unser Wagenheber vom Toyota erweist sich als wirklich sehr schwach. Darum halten wir seit längerem nach einem Autozubehör Laden Ausschau. Da, im Vorbeifahren sehen wir einen kleinen. Halten sofort an und steigen aus. Zufällig kommt gerade der Besitzer daher. In einer Viertelstunde sei offen. Wir fragen, ob er einen 8 To Wagenheber im Angebot hat. Leider hat er nur schwächere Modelle, kennt aber einen Kollegen im Ort.
Er beginnt, den Weg zu erklären. Kurz darauf sagt er, das hätte keinen Zweck, er würde uns in seinem Wagen voranfahren und den Weg weisen. Gesagt, getan. Kurze Zeit später stehen wir vor dem Laden. Das hätten wir nie gefunden, auch nie gesehen, dass hier Autozubehör verkauft wird!!!! Mit einem Schweizer Taschenmesser als Souvenir bedanken wir uns bei ihm. Sichtlich mit grosser Freude sagt er adieu und fährt zurück.
Innert Minuten haben wir unseren neuen 8 To. Wagenheber. Für umgerechnet Sfr. 16.50! (Das Victorinox Messer ist im Normalpreis teurer!)  Dies die Preisrelation Rumänien – Schweiz!

Rumänien hat noch sehr viele intakte Altstadtkerne mit imposanten Bauten. Besonders schön empfanden wir Sibiu und Sighisoara. Kulissen, die leben!

glückliche Säuli geniessen
die Freiheit am Donauufer

beim Heuen mit Pferd und Wagen

alles in Handarbeit

auch Ochsen werden angespannt

auf der Überholspur in rasender Fahrt...

oft ist ein Fohlen mit dabei

die kompakte Häuserzeile gegen die Strasse

dahinter versteckt liegen die Gärten

die deutsche Vergangenheit....

freies Campieren am Strassenrand..

um in der Thermalquelle zu baden

die Umkleidekabine am Fluss

Schloss Bran, das angebliche Dracula- Schloss

Ein schönes Gebäude in Sibiu

ein "engelhaftes" Fassadendetail

Blick in einen Hinterhof in Sibiu

auf der Transfagarasan
einer Passstrasse, die über 2000 Meter
Höhe klettert

teilweise war die Strasse verschüttet

am idyllischen Stausee Vidraru, an dem wir übernachtet haben

nachdem wir diese Strasse bewältigt hatten..

kein Problem für das gri-gri,
resp. den Super Fahrer!

Kühe melken auf der Alp
Wo ist das Pferd?

mittendrin steht das Pferd mit Wagen!
5 Männer molken die Kühe, natürlich von Hand!

Hier wird das Pferd im steilen Gelände eingesetzt,
um das Holz herunter zu transportieren


Der Stundturm in Sighisoara
7 verschiedenenFiguren sind für
 jeden Wochentag zu sehen


Eine hübsche Häuserzeile in Sighisoara
Die Aussicht auf die Altstadt vom
Turm aus gesehen
Ja, auch Rumänien ist eine Reise mehr als wert! Darum wünschen sie uns bei jedem Ortsausgang: Drum bun! Gute Reise!

Dienstag, 19. Juni 2012

Eine bulgarische Liebesgeschichte


Vor langer, langer Zeit existierten bei Belogradcik zwei Klöster. Im Frauenkloster lebte Valentina. Ihre grosse Schönheit war trotz Schleier nicht zu übersehen!
Anton, ein hoffnungslos verliebter Hirt, schlich jede Nacht unter ihr Fenster und spielte auf seiner Holzflöte. Die Melodie war wie ein Liebesgeflüster und erfreute das Herz von Valentina.
Eines Nachts liess sie ein Seil von ihrer Zelle herunter.....
Monate später hörten die Mönche Kindergeschrei aus dem Nonnenkloster. Sogleich suchten sie die Schuldige und jagten sie davon. Anton galoppierte auf seinem Pferd hinterher und wollte seine Liebste und das Kind retten. Doch die Mönche begannen gegen ihn zu kämpfen.
Da geschah ein grosses Wunder!!! Gott, als Zeuge dieser unglaublichen Liebe sandte Sturm  und ein Erdbeben auf die Erde. Das Kloster verschwand unter der Erde. Alle verwandelten sich in Stein, Valentina mit dem Kind auf dem Arm,  Anton auf seinem Pferd, die Mönche als stille Statuen.

Noch heute kann man sie aus dem grünen Wald aufragen sehen, alle Figuren dieser dramatischen Geschichte! "Gottseidank!"

So kommen wir in den Genuss und schauen uns neben den Figuren die perfekt in die Felsen integrierte Burg von Belogradcik an. Kraxeln zwischen den Felsen hoch und geniessen die schöne Aussicht. 

Die Burg ist auf 3 Ebenen angelegt.
Sicht vom höchsten Punkt der Burg gegen den Eingang.
Aussicht gegen die Donau Richtung Norden
Eine "Burgruine" von der Natur erschaffen.
Valentina mit Kind, Anton auf dem Pferd...
Könnten die Mönche sein...
So sieht es gegen Süden aus mit den drei steinernen Wächtern.
Ein Mönch sieht sinnierend ins Land...

Wie wenn ein Saurier über die Baumwipfel guckt!

Montag, 18. Juni 2012

Sofia


die heilige Sofia

Die Stadt empfinden wir als überschaubar mit relativ kleinem Verkehrsaufkommen. Die Taxi sind „stinkbillig“ und so lassen wir für die Stadtrundfahrt das gri-gri mit Targia auf dem schattigen Camping.
In der Innenstadt stehen einige sehr schöne und imposante Bauten. Sofia hat keinen See, keinen Fluss, dafür 40 Mineralquellen! Auch hier, wie überall in Bulgarien ist es sehr sauber. Die Strassenränder ohne Müll oder „Plastikinstallationen“. Doch in den Aussenquartieren sehen die Wohnblocks miserabel aus. In den 50er Jahren erstellt und seither nichts mehr gemacht! Wirklich ärmlich!
Bei der Stadtrundfahrt sind wir die einzigen Touristen und kommen in den Genuss einer privaten Führung in englischer Sprache.
Die Tramgeleise sind von 1906 und die Waggons mit den antiken Stromabnehmern sind uralt!
Das alte Tram - und "Mann" kann noch im Halteverbot
in Ruhe den Kofferraum entladen...
Die Führerin erzählt uns Heldengeschichten über VasilLevski, der heiligen Sofia und über die tiefe Verbundenheit mit Russland, wovon auch das Russische Monument zeugt. Natürlich fehlt auch der grosse Stadtpark mit Spielplatz nicht!
Sie zeigt auf ein schönes Gebäude und erklärt: Das teuerste Restaurant der Stadt. Hier kommt man nur mit persönlicher Einladung herein und nur der Eintritt kostet 1000 Euro! Auch hier leben Snobs!
Auf den Trottoirs und Plätzen ist Betrieb. Die Leute flanieren ohne Hektik, pösteln, sitzen in den zahlreichen Cafés und geniessen die warme Sonne.


Der Camping ist ideal gelegen, aber in sehr schlechtem Zustand – dafür total  überteuert! 20 Euros pro Nacht!!! Nicht empfehlenswert.


Alexander Nevski Kathedrale mit den Kuppeln aus Gold

Die Universität von Sofia

Der Patriarch Evtimii beschriftet sich gleich selbst

Strassenszene in Sofia

Die Fassaden der Wohnblocks sehen wirklich "schitter" aus!

Um die Monumente darf noch gespielt werden!

Die Sinnlosigkeit des Krieges...

beschauliches Sofia im Park
In Sofia lässt sich sehr preisgünstig einkaufen. Wir sind in zwei Einkaufstempel gefahren, haben unsere Liste abgearbeitet und praktisch alle Wünsche wurden erfüllt zu zahlbaren Preisen. Toll!

Samstag, 16. Juni 2012

Unser krimineller Ausflug


„Seid bitte vorsichtig!“ mahnt Slavi eindringlich, bevor er uns seinen Routenplan in die Hände gibt.
Er führt das kleine Restaurant neben der Monastery in Zemen. Wir haben einfach aber gut gespiesen und ihn nach dem Weg zum Wasserfall gefragt. Das sei sehr kompliziert und sehr weit gab er zur Antwort. Hat uns aber den Weg dorthin aufgezeichnet und uns an den Anfang des Weges gebracht. Zuerst durchs Dorf, dann über eine kleine Brücke, durch die Kiesgrube, am Fluss entlang bis zu einer schönen Wiese. Er zeigt auf einen schmalen Trampelpfad, der im Gebüsch verschwindet.
Er gibt uns noch seine Telefonnummer, falls wir Schwierigkeiten haben und wir geben ihm die unsrige. Es ist sehr heiss und drückend, so verschieben wir den Ausflug auf den morgigen Tag. Zum Glück! Gegen Abend beginnt es zu stürmen und runterzugiessen, begleitet von Blitz und Donner. Einmal mehr loben wir unser geschütztes gri-gri.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne und nach dem Frühstück wandern wir los.
Direkt neben dem Bahndamm führt der Trampelpfad. Nach einer Weile kommt der erste Tunnel. Er macht einen Bogen, so müssen wir ins Stockfinstere laufen!!! Schon ein bisschen mulmig. Wenn jetzt nur kein Zug kommt!!! Zügig schreiten wir durch die Dunkelheit, auch Targia macht tapfer mit. Da, ein Lichtschimmer und schnell gehen wir darauf zu nach draussen.
Nach dem Tunnel kommt die erste Brücke, aber was für eine! Wir kommen uns vor wie in einem Wildwestfilm. Neben dem Trassee ist ein wackeliger Brettersteg erstellt, einige Bretter fehlen gar. Ruhig und sicher geht auch Targia hinüber und wir marschieren weiter.
Nach weiteren Brücken und Tunnel erreichen wir nach knapp 10 Kilometer die Bahnstation.
Mitten in der Schlucht bei einer Kiesgrube,  ein Haus und sonst nichts! Das Stationsgebäude ist ein kleiner Warteraum.
Hier sollten wir rechts abzweigen, über den Fluss; der Wasserfall sollte sichtbar sein. Aber wo????? Suchen die Umgebung ab und dabei treffen wir auf den „Stationsvorstand“.
Wir fragen ihn nach dem Wasserfall.
Er spricht kein Englisch, aber der Tonfall und der Ernst der Mimik lässt keinen Zweifel offen!!!! Es ist strengstens verboten, dem Bahndamm entlang zu gehen- und noch verbotener durch die Tunnels!! Er deutet mit den Händen, dass in einer Viertelstunde ein Zug käme, wohl in der verkehrten Richtung, und wir einsteigen müssten... Der Zug kommt, aber keine Dampflokomotive, nein eine moderne Komposition. Per Funk hat er mit dem Lokführer gesprochen, der Zug hält und wir müssen einsteigen. Der Kondukteur mit grosser Tasche, ja das hat es noch, versteht uns nicht und holt kurzerhand eine junge Passagierin, die Englisch spricht. Wir beschliessen, ins nächste Dorf zu fahren. Dort hätte es ein Café und in einer Stunde würde der Zug von der Stadt zurückkommen und nach Zemen fahren.
Das ist ja perfekt!
Der Bahnhof von Razhdavitsa ist auch einem Film entsprungen! Richtig ursprünglich! Die junge Frau wird von ihrem Vater, einem massigen bärtigen Mann mit grosser Yamaha Maschine abgeholt. Er spricht uns auf Deutsch an. Während Jahren hatte er in St. Gallen gearbeitet.....
Im Restaurant treffen wir auf eine Familie aus Sofia und unterhalten uns prächtig. Im Nu ist die Stunde vorüber. Am antiken Billettschalter lösen wir die Fahrkarte für 70 Rappen pro Person für 25 Min Fahrt und wir rollen durch die Schlucht nach Zemen zurück. Vom Bahnhof marschieren wir wieder zum gri-gri zurück. Targia müssen wir beinahe tragen! Sie ist nudelfertig und legt sich gleich längelang hin und rührt sich die nächsten 2 Stunden keinen Zentimeter.
Den Wasserfall haben wir nicht gesehen, aber spannend war es alleweil mit den interessanten Gesprächen.
Am nächsten Morgen besuchen wir nochmals Slavi, damit er sich über uns keine Sorgen machen muss. Er freut sich riesig, holt gleich ein Fotoalbum hervor und beginnt von sich zu erzählen. Sein Vater, ein Brücken und Staudamm Ingenieur hatte in Mozambique eine Firma aufgebaut und sein Sohn war für 3 Jahre in Afrika, um ihm zu helfen. Leider verstarb der Vater und Slavi kam wieder nach Bulgarien zurück. Er wäre gerne in Afrika geblieben! Nun versucht er, sich mit dem Restaurant über Wasser zu halten. Seine Grosseltern, der Grossvater ist 99 Jahre alt, wohnen auch in Zemen und er schaut nach ihnen. Der Grossvater ist noch fit, ob der Grund bei den täglichen 2 Schnäpsen liegt?

Aber auch er sagt, dass es wirtschaftlich in Bulgarien schlecht steht. In Sofia sei noch am meisten Geld, aber auf dem Land sind die Leute wirklich arm! Dafür geniessen sie viele Freiheiten. Sie gehen fischen, auf die Jagd, haben eigene, schöne Gärten, sauberes Wasser und eine wunderschöne Natur rundherum!

Alles Gute Slavi und danke für die spannende Begegnung und Bewirtung!