Unsere Reiseroute (blogabond)

Samstag, 15. Dezember 2012

Estnische Weihnachtsgeschichten


Auf der Köstriaseme Farm erzählt uns die Hausfrau mit Stolz, dass Ihr Ehemann endlich, nach jahrelangem Verkauf von Kartoffeln und Schnaps, in der Lage ist, die hohe Summe von 300 Silbertalern zu bezahlen und den Hof zu kaufen und sich so von den erdrückenden Steuern zu entlasten! Weihnachten 1895 wird mit Freude und Zuversicht gefeiert!

Auf der Pulga Farm erfahren wir Neuigkeiten von Verwandten, die seit 1880 weit weg in Russland leben. Da wird Weihnacht wie üblich gefeiert mit frischem Stroh auf dem Boden, verschiedenen Spielen und einem grossen Schmaus!

hübscher Baumschmuck
 aus Stroh
Hoch her geht es auf der Nuki Farm! Die Bewohner haben Deutsche Häuser während der Revolution von 1905 geplündert und schauen sich nun voller Neugierde die Beute an!

Die Hausherrin auf der Aarte Farm lebt an der Nordküste von Estland. Die hiesigen Fischer sind nahe an Finnland. Mit ihren leichten Booten schmuggeln sie Schnaps nach Finnland, der dort in dieser Zeit verboten war, ein blühendes, aber gefährliches Geschäft. Sie ist froh, ihren Sohn an Weihnachten 1922 wieder wohlbehalten zurück zu haben.





Die alten Häuser sind ohne Kamin
der Rauch entweicht durch die Türe

Weihnachtsspiele im Stroh



Sie erklärt dem Jungen, wie sie
Würste herstellt
zufrieden wird die Beute begutachtet

die Festtafel
mit Schweinskopf

probieren geht über studieren


Handmühle
vor dem Speicher


Im Härjapea Haus, einem Holzhaus von 1930 wird fleissig „Piparkook“ gebacken, einem feinem süssen Gingerbrot, dass wir gleich versuchen dürfen. Derweil wird fleissig getratscht und für den Weihnachtsbaum Schmuck gebastelt.
Der Hausherr ist ein Veteran vom Estnischen Unabhängigkeitskrieg und erhielt in den 1920ern sein Land zurück.










vor der Schule


Die Lehrerinnen in der Kuie Schule sind sehr angespannt.
Sie müssen mit der neuen Wirklichkeit klarkommen und ihre Schüler ab sofort in Russisch und Kyrillisch unterrichten! Doch die schönen Weihnachtslieder, begleitet auf dem Harmonium werden in Estnisch gesungen...  O Jöulupuu!
 











Auf der Sepa Farm ist eine Diskussion im Gange. Die Enkelin ist voll des Lobes, Estland ist unabhängig, nach Finnland zu reisen kein Problem. Doch die Mutter hat Angst, dass sie die Verwandten in Russland nicht besuchen darf...

ein Dorfladen wie aus dem Bilderbuch
ein Griff...







In schönstem Estnisch, begleitet mit Mimik und Gestik werden uns diese Geschichten im Freilichtmuseum vorgespielt.
Sie veranschaulichen,  wie wechselhaft die Geschichte Estlands war. Kaum hatte sich das kleine Land von einem Besetzer befreit, stand der nächste wieder vor der Türe und kommandierte für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte.
Das prägt! Die Esten sind sehr nationalbewusst und lieben ihre melodiöse, vokalreiche Sprache. Jeweils im Sommer veranstalten sie ein grosses Sängerfest mit Gesang, Tanz und natürlich reichhaltigem Essen und viel Alkohol.

Das heutige Estland, nach 21 Jahren Unabhängigkeit, präsentiert sich als moderner Kleinstaat mit EU Mitgliedschaft und Euro als Landeswährung. Die Esten fühlen sich, auch bedingt durch die ähnliche Sprache, dem nördlichen Nachbarn, den Finnen näher wie den südlichen Nachbarn, den Balten.

Das Internet ist allgegenwärtig, ein kostenloses WIFI garantiert. Schon kleine Knirpse sprechen uns auf Englisch an! Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Kinder auf den Computer fixiert sind, wir hören Klagen von Eltern,  dass es SEHR schwierig sei, die Kinder vom Computer wegzulocken, sie zu Aktivitäten draussen zu animieren....
Und in der Tat, viele Kinder sehen blass aus.
Weihnachten wird auch heute traditionell mit der Familie gefeiert, am liebsten im Sommerhäuschen auf einer kleinen Insel. Draussen wird Fleisch auf dem Grill gebraten, drinnen wird gefeiert, geschwatzt und gesungen – und natürlich fehlen auch die Geschenke nicht.
Die öffentliche Weihnachtsdekoration auf den Strassen ist noch bescheiden, die Einkaufszentren sind dezent geschmückt.
Die wirtschaftliche Krise hat auch vor Estland nicht Halt gemacht. Die Treibstoffpreise sind enorm, die Lebenshaltungskosten, verglichen zu den bescheidenen Löhnen auch, für die meisten Esten ist eisernes Sparen angesagt.
Die Strassen sind rund um die Hauptstadt sind recht gut ausgebaut, im Moment bewegen sich noch sehr wenige Fahrzeuge auf diesen Verkehrsadern. Stau ist für die Esten, auch im Feierabendverkehr, ein Fremdwort. Das Fahrverhalten ist sehr diszipliniert. Kaum nähert sich ein Fussgänger dem Strassenrand, wird vorsorglich angehalten, um ihm das Überqueren der Strasse zu ermöglichen.

Das Meer im Winterkleid. Eiszapfen am Strand begleiten unseren täglichen Spaziergang.


























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