Unsere Reiseroute (blogabond)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Von Piraten und Eroberern




Die Region an der Südküste der Türkei blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück. Klimatisch ist dieser rund 1500km lange Landstrich privilegiert. Das mächtige Taurusgebirge, das die ganze Küste gegen das anatolische Hochland abriegelt, spendet in Hülle und Fülle Wasser und begünstigt ein sonnenreiches, trockenes Klima und warme Temperaturen selbst im Winter.

Selbstredend, dass dieses Land ständig Ziel der Begierde war. Immer wieder versuchten Eroberer, die lykische und kilikische Region unter seine Herrschaft zu bringen.

So entstanden an der Südküste eine Kette von wehrhaften Burgen und riesige antike Städte mit Amphitheatern, Bädern, Prunkalleen und Palästen. Prominent auf Felsnasen und Hügeln postiert waren die Burgen meist in Sichtweite der nächsten Burg, damit man sich bei Angriffen Zeichen geben, die Nachbarn warnen oder sich Hilfe erbeten konnte.

Nicht genug, in Alanya hatte sich eine ganze Bande Piraten niedergelassen, ihr Anführer, Diotos Tryphon, liess sich gar eine eigene Burg erbauen. So zogen die finsteren Gesellen mit ihren Booten der Küste entlang, raubten und plünderten, was sie kriegen konnten!

Den Bauern blieb nichts anderes übrig, als sich in den Bergen zu verstecken oder sich in eine der Burgen zu flüchten. Der prunkvolle Hof  in den Burgen war für die Herrschaften reserviert, die sich gewohnt waren, sich bedienen zu lassen, über kunstvoll gefertigte Mosaikböden ins Bad zu schreiten um sich massieren  und sich kulinarisch  verwöhnen zu lassen. Das gemeine Volk wurde in einem kargen Hof untergebracht und musste sehr bescheiden leben!
Wahrscheinlich spürten die Bauern, die für ihre jeweiligen Herren schuften mussten, keinen Unterschied, ob die Herren Römer oder Byzantiner waren!

Diese Zeiten sind längst vorbei! Geblieben sind die Reste der unzähligen antiken Städte und Burgen. Dazwischen liegen die landwirtschaftlichen Anbauflächen.
In den Buchten wiegen sich die grünen Bananenstauden wie ein Meer, ganze „Städte“ mit Treibhäusern beherbergen die verschiedensten Kulturen.

Statt Weihnachtsguetzli schnabulieren wir Bananen ab dem Strauch, pflücken frische Erdbeeren und ernten Mandarinen und Orangen vom Baum! Angenehm warm lacht die Sonne vom Himmel und im Oleanderstrauch neben dem gri-gri singen die Vögel.


unser Übernachtungsplatz im Schutze des Bagras Kalesi

Die abendliche Aussicht ins Tal

Die Morgendelegation, auf dem Weg in die Felder
stolz tragen die Jungs die Jagdgewehre

mitten in der Ebene liegt die Ausgrabungsstätte von Issos

über das Humusfeld führte uns der Weg
zum provisorischen Zaun

der schön erhaltene Aquädukt von Issos

Toprak Kalesi

freundlich werden wir zum Tee gebeten

bevor wir mit unserem Gratis- Privatführer die Burg
erkunden und viele Informationen erhalten

ein mächtiger Torbogen,
der Führer getraut sich, direkt darunter
zu stehen

unter diesem Stein!
Die Sicherheitsmassnahmen auf allen
Burgen sind nicht vorhanden!

Tolle Aussicht ins verschneite Taurusgebirge

Burgen sind immer wieder ein beliebtes
Fotosujet bei Hochzeiten
Sie freuten sich riesig über unser
Interesse

Die grüne Welle mit jungen Mandarinenbäumen

Die Landburg in Yumurtalik

vorgelagert die Inselburg

traditioneller Schiffsbau; wunderschöne Handwerkskunst
Das Fatima Auge als Beschützer ist bereits am Bug angebracht

er muss selber "Esel" spielen!

Eine der Bananen Buchten

Bananenstauden 

Die reifenden Bananen werden geschützt

Eine Bucht für uns alleine!

schön zu sehen, wie es grünt im Dezember

eines der vielen "Treibhausdörfer"

einfachste Konstruktionen mit Plastikabdeckung oder
wie hier mit Fensterglas

die heutigen jungen "Piraten"

Der Burghof vom Mamure Kalesi in Anamur

Die Treppenaufgänge zum Wehrgang
ohne Geländer zu benutzen ist eine
Herausforderung, auch für Schwindelfreie!

Das Innentor

der schön erhaltene Wehrgang

der zweistöckig angelegt ist

wir haben nicht gezählt, wieviele Türme
es auf dem Mamure Kalesi gibt!

auch hier genossen wir eine gratis Führung mit
detaillierten Infos anschliessendem Tee im Eingangstor.
Der Wächter der Burg versieht seine Arbeit seit über
30 Jahren und kommt jeden Morgen zu Fuss am
Strand entlang

einsame Küstenstrasse, die in ein bis zwei Jahren durch
eine vierspurige Schnellstrasse, die im Bau ist ersetzt wird;
völlig überdimensioniert, da das Verkehrsaufkommen sehr gering ist.
 Goldene Zeiten für Strassenbauer in der Türkei!

Die grosse antike Stadt Anamurion mit Nekropole, Theater,
Bädern, Prunkstrasse und Aquädukt und natürlich
der Burg auf dem Hügel.
Im Hintergrund die heutige Stadt Anamur

ein schön erhaltenes Mosaik

das hübsche Odeon.
Die Vorstellung beginnt in wenigen Minuten....

Dienstag, 10. Dezember 2013

Festtagsgrüsse


Festtagsgrüsse




Feurig rot leuchtet der Weihnachtsstern auf dem Mamure Kalesi.

Für all unsere Freunde wünschen wir, dass der rote Stern von Anamur überraschende Farben in den Alltag zaubert, über Eure Gesundheit wacht, Euch zufriedene Stunden schenkt, und Euch allen tägliches Glück beschert.


Herzlichst Heidi & Robi


zur Info: bis Mitte Januar sind wir in der Region von Antalya unterwegs!

Montag, 9. Dezember 2013

Teer gegen Stimmen






















Schön haben wir’s bei Fergi auf dem Orient Camping in Konacik, im südöstlichen Zipfel der Türkei an der Mittelmeerküste. Hinter den Bergen liegt Syrien, es ist friedlich und ruhig hier, in dieser grünen Oase.
Mitten auf der Landstrasse knirschte und lärmte das hintere rechte Rad- dann war fertig mit fahren! Der Abschleppdienst kam innerhalb eines Tages und nun steht unser Heim in der Garage. Fergi hat uns einen Bungalow vermietet, so können wir gelassen der Dinge harren.... Unser Gastgeber hatte lange in Holland gearbeitet und spricht neben Holländisch sehr gut Deutsch. Er ist ein phantasievoller Geschichten Erzähler und legt uns seine Ideen, Träume und Zukunftspläne dar! Dafür würde sein türkisches Leben bei weitem nicht ausreichen! Warum? Manche Türken lieben es zu sagen: „Morgen erledige ich dies, mache ich jenes, starte ich  sofort“! Nach türkischem Zeitverständnis kann dies auch erst in einem Monat sein – vielleicht!

Eine Geschichte möchten wir euch nicht vorenthalten.
Im Dorf sind sie dabei, die Erschliessungswege zu sanieren und zu teeren.
Der Bürgermeister bestellt die erforderliche Teermenge bei der entsprechenden Amtsstelle. Aber kein Fahrzeug kommt mit Teer! Auf seine Nachfrage, wo das Material bleibt, erhält der Bürgermeister folgenden Bescheid: Wir können dem Dorf Teer zukommen lassen, unter einer Bedingung. Für jede LKW Ladung Teer erwarten wir 10 Stimmen bei der nächsten Wahl zugunsten der AKP, der Partei von Präsident Erdogan!
Also 100 Stimmen für 10 LKW!
Bei einer Bürgerversammlung diskutieren die Leute über den „Vorschlag“  und beschliessen, dem Deal zu zustimmen, persönlich kann dann jeder stimmen, wie er es für richtig hält!
So sind nun im Dorf diverse Erschliessungsstrassen fertig geteert!

Türkische Gleichung:
100 Stimmen für die AKP gegen 10LKW beladen mit Teer ergibt zufriedene Dorfbewohner und ein gutes Ergebnis für die Partei!

Geht die Gleichung auf?

Ein ungelöstes Problem ist die Abfallbeseitigung. Zwar stehen viele Container bereit, auch kommt ein „Güselwagen“ vorbei und leert die Abfallbehälter. Trotzdem liegt überall der Müll herum. Auch sehen wir oft Leute, die gedankenlos die Aludose ins Gebüsch werfen. Bedenklich ist auch, dass die Schulhäuser sofort ersichtlich sind! An den grossen Müllhaufen vor den Eingängen! Ab und zu werden diese Haufen wieder angezündet. Aber Lektionen, dass der Müll in den Container gehört, fehlen offenbar im Stundenplan! Schade! Da müssen die Türken noch stark daran arbeiten.




unser Gastgeber Fergi 

unser Bungalow im Innern mit improvisierter Küche
mit unserem Aussenkocher

Licht und Schattenspiel über den Bergen gegen Syrien

Konacik vom Meer her versteckt

Müllhalde vor dem Schulhaus Eingang
eine Erschliessungsstrasse noch ungeteert

zu dritt auf dem Moped

der fahrende Händler
ein Sack Zwiebeln kosten SFr. 4.40!

der Küste entlang Richtung Camping

Natur Pur an diesem Abschnitt der Küste

er darf doch fahren, warum so grimmig?