Unsere Reiseroute (blogabond)

Montag, 30. September 2013

Bei Raluca und Vali


Alle vier sind sehr beschäftigt, Raluca verarbeitet ihr Gemüse und Früchte, wir haben auf dem Hügel sonnengereifte Hagebutten geerntet und kochen uns feine Confi, Vali schraubt an seinen KTM Maschinen, um für den kommenden Event gerüstet zu sein.

Wir befinden uns auf dem kleinen, aber feinen Camping der Beiden in Curtea de Argeș. Friedlich ist es hier, die Truthähne kollern, die Schweine grunzen und ab und zu bellt ein Hund.

Seit 2 Jahren führen sie den Camping. Die WC / Duschanlage ist sauber, sogar eine Waschmaschine steht zur Verfügung, die kleinen 2Bett Hütten sind mit Nasszellen ausgestattet; so richtig gemütlich und empfehlenswert. Auch die Lage ist optimal, am Fuss der Fāgāraș Berge und der Transalpina, einem Eldorado für Motorradfahrer. Nur vom Campingbetrieb können sie nicht leben, so verkauft Raluca ihre selbst hergestellten Confitüren, eingemachtes Gemüse in Gläsern, diverse Liköre und will sich nun auch im Brote backen versuchen. Vali vermietet noch KTM Motorräder für Geländefahrten und gibt auch Unterrichtsstunden im Fahren. Noch immer fährt er Trial- Rennen und erzählt leidenschaftlich von seiner Passion!
Er hat eine gut aufgemachte WEB Site mit tollen Bildern gestaltet: www.camping-arges.ro
Früher haben die zwei in Bukarest gewohnt und gearbeitet. Mit ihrem kleinen, 2 ½ Jahre altem Sohn haben sie ihre Lebenspläne geändert und sind ins Dorf zurückgezogen. Beide bereuen ihren Schritt in keiner Weise. Optimistisch gucken sie in die Zukunft und wollen sich auf dem Grundstück noch ein Haus bauen.
Stundenlang diskutieren wir über die wirtschaftliche und politische Lage in Rumänien. Auch von ihnen hören wir nichts Gutes über die Regierungsmitglieder. Ein Land wie Rumänien, mit diesen hervorragenden Ressourcen, allen voran die Holzvorkommen, das fruchtbare Landwirtschaftsgebiet, die einmalige Landschaft mit der unberührten Natur, von gewaltigen Bergen, grünen Hügellandschaften bis zum Sandstrand, den sensationellen Sehenswürdigkeiten, den gut erhaltenen alten Kirchen, den schönen Gebäuden in den Altstadtvierteln, müsste eigentlich sehr gut dastehen. Sie monieren, dass viel zu grosse Investitionssummen in den Taschen von korrupten Menschen verschwinden würden und so gute Projekte schlecht, nicht oder halb verwirklicht werden.
Auch der gigantische Unterschied zwischen Stadt und Land fällt sofort ins Auge. Und wenn wir an die Roma denken, die in Plastikverschlägen in den Wäldern hausen wird uns allen bewusst, dass die Aufgabe alles andere als einfach ist!

Die Geschichte über den Bau des Palastes der Parlamentarier in Bukarest beschäftigt uns. Erst im Jahr 1983 beschloss der Diktator Nicolae Ceaușescu sich ein Denkmal zu setzen. Dazu liess er einen Teil der historischen Altstadt abreissen, vernichtete rund 40'000 Wohneinheiten und brauchte während der 5jährigen Bauzeit rund 40% des jährlichen BSP für den gigantischen Bau! Der Palast ist dem Versailler Schloss nachempfunden mit Marmorhallen, Kristallleuchtern und riesigen verglasten Kuppeln.
Heute präsentiert sich der Bau von aussen schon sehr marode, die dringend nötigen Unterhaltsarbeiten werden nicht gemacht! Angesichts der riesigen Kosten, die dieses Koloss verschlingt, nicht verwunderlich! Ein sehr schweres Erbe eines Diktators, auch wenn der Palast, als zweitgrösster Bau der Erde, sich touristisch gut vermarkten lässt!

Unglaublich, was wir wieder auf unserer Fahrt sehen und erleben dürfen. Die 1770 erbaute Holzkirche in Desești mit den verblüffend gut erhaltenen Wandmalereien, danach die abwechslungsreiche Fahrt durch die Apuseni Berge, einer Naturstrasse die sich auf über 1000Meter hochschraubt, durch enge, grüne Schluchten und wieder hinauf über die Transalpina Passtrasse, die uns über 2200Meter bringt! Einfach grandios.

An einem Abend erhalten wir Besuch von einem Hirten. Über unser Geschenk, dem Schweizer Taschenmesser freut er sich enorm! Wie staunen wir, als er am nächsten Morgen mit seiner Herde wieder bei uns vorbeikommt und uns eine silberne Blume aus Zigarettenpapier, die er mit dem neuen Messer zugeschnitten hat, überreicht! Darüber haben wir uns extrem gefreut!


Raluca beim Zwetschgen einkochen

ihre Produkte

Vali beim Schrauben

die praktischen 2- Bett Häuser mit dem gri-gri

wie grosse Jungs im Gelände....

Der Palast in seiner vollen Grösse

die Schäden am Bau

pompöser Aufgang

einer der Prunksäle

Blick vom Palast auf die Prachtstrasse

unterwegs in den Maramures

Die Holzkirche von Desesti

Die exzellenten, farblich sehr schönen Wandmalereien

Das Innere der Kirche

Der Besitzer freute sich, dass wir auf seiner Wiese
übernachtet haben!

auf dem Weg, um die Maisstauden zu laden,
das Baby warm eingepackt

Arbeiten auf dem Lande

und die Aussicht in der Stadt

Naturstrasse pur

auf der Transalpina im Regen

ohne Strassenbegrenzung und Absicherung

Ankunft am Schwarzen Meer in Mamaia bei Constanta

Besuch eines Schafhirten

Er freut sich riesig über das Schweizertaschenmesser

sein Geschenk an uns, die mit dem
Messer gebastelte Blume
aus Zigarettenpapier


Sonntag, 29. September 2013

Der fröhliche Friedhof von Săpânța


Hier ruht ein Mädchen, das bei seinem Aufenthalt in Paris bei einem Unglück in der  Metro sein junges Leben verlor.

Dies ist eine von über 800 Geschichten, die auf den farbigen Grabkreuzen in Săpânța erzählt werden.
Über lange, arbeitsreiche Leben mit Ehepartner, Kindern, der Arbeit am Webstuhl, dem Alltag mit den Tieren in Feld und Stall wird berichtet. Lobend werden die Fertigkeiten hervorgehoben, wer die schönsten Teppiche geknüpft, das beste Brot gebacken, das saftigste Fleisch verkauft oder die willigsten Pferde hatte.
Aber auch von Unfällen mit dem Traktor und bei der Arbeit im Wald wird geschrieben. Ein junger Mann wird erwähnt, der gerne zum Tanz gegangen ist und manch jungem Mädchen den Kopf verdreht hat. Auf der Heimfahrt starb er bei einem Autounfall.
Auch Kinder werden beschrieben, vom kleinen Engel, der mit 2 Jahren wieder gegangen ist, vom Mädchen, das  im Spiel vor ein Auto gesprungen ist, vom Sohn, der im Fluss ertrunken ist.
Auch vom Säufer ist die Rede, der seine Hände nicht vom Alkohol lassen konnte.
Vom Schäfer wird erzählt, der gewissenhaft seine Herde bewacht hat, vom Familienvater, der mit Pferd und Wagen ins Holz gefahren ist, vom Lehrer, Metzger, Bäcker, ein ganzes Dorf ist hier mit seinen Geschichten vereint und immer wieder kommen neue dazu.
Mit einfachen, einprägsamen, oft humorvollen Worten wird aus dem Leben der Verstorbenen erzählt. Manchmal reicht die Vorderseite der Stele nicht und die Hinterseite wird auch noch beschriftet. Die Gedanken sind ernst, mild, versöhnlich, nüchtern und traurig.
Damit wird gezeigt: Hier im Dorf ist das Leben wichtiger als der Tod, diese Menschen haben gelebt!
Dieses Leben wird auch mit Bildern illustriert, zeigen die Verstorbenen in einer wichtigen Phase ihres Lebens oder im Alltag.
Eng, sehr eng stehen die Gräber beieinander. Der Weg für die Besucher führt über die Umrandungen und Begrenzungen!
Der Friedhof ist das Lebenswerk des Künstlers Ion Stan Patras, fortgeführt von Dumitru Pop, einem seiner Lehrlinge. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Geschick verstehen es die Künstler, den Verstorbenen ein würdiges und unvergessliches Grabmal zu gestalten.

Fröhlich erzählt uns die alte Frau, dass sie manche der Verstorbenen kennt und oft hierhin kommt, um die Gräber zu besuchen.



Der Eingang zum Friedhof

mit dem Kind
unterwegs aufs Feld
Bauer, Zimmermann
und Hausfrau



über 800 Gräber
die Frau am Webstuhl
wurde 92 Jahre alt
auch die Hinterseite
ist beschriftet

der Metzger


Der Lehrer beim Unterricht

ein tragischer
Verkehrsunfall

mit der Kuh aufs Feld

Portrait mit Engel

Der Schäfer und der Bauer

beim Holzfällen

er fertigte die
schönsten Truhen

der kleine Engel

dramatischer Unfall
zwei arbeitssame Leben


ohne Zwischenwege

vom Leben gezeichnet

Freitag, 20. September 2013

Kuren in Hajduszoboszlo und ein Slambucfözö


einfach herrlich

Bei unserer Fahrt durch Ungarn machen wir Halt in Hajduszoboszlo.
Hier sind wir die Küken unter den Rentnern! Na, ja wir stehen auch erst am Anfang unserer Karriere! Der Thermalcamping ist noch sehr gut belegt. Neben den Ungarn viele Polen, Deutsche, einige Schweden, Holländer und Schweizer. Unsere Camping Nachbarn, ein Paar aus Magdeburg kommt schon seit 20 Jahren regelmässig hierhin, um das einmalig angenehme Wasser zu geniessen. Das dunkelbraune, sehr jodhaltige Wassser ist extrem weich und natürlich warm und wohltuend!
Das Heilbad- Becken, Teil der riesigen Thermalanlage

ein Schläfchen nach dem Bad










Gleich neben dem Camping, auf dem Flugfeld findet der alljährliche Kochwettbewerb im Lamm und Slambucfözö statt. In Gruppen werden Holzfeuer gemacht, ein Kessel darüber gehängt und mit Eifer gekocht!  Jeder hat sein Geheimrezept für die Kräutermischung! Es wird geschwatzt, gelacht, gesungen und natürlich immer wieder  degustiert und diskutiert. Eine Jury zieht dann von Gruppe zu Gruppe und versucht aus der Fülle des Ganzens einen Gewinner zu ermitteln!!!!
Auch das Rahmenprogramm ist unterhaltsam. Ein Ringkampf wird ausgetragen, die Nachwuchssänger-innen schmettern Karaoke, der Feuerwehrhauptmann rückt mit seiner Truppe in alten Uniformen mit der Kutsche aus, die Kinder dürfen mit der Handpumpe und Schlauch ein „Feuer“ löschen, die Besucher werden mit dem Streck- Trabi herumgefahren und die Husaren reiten. Zu den Klängen der ungarischen Volksmusik wiegt sich jung und alt im Takt und singt mit. Ein buntes Treiben! Daneben werden die Stände mit Süssigkeiten belagert und „Gänggelisachen“ erstanden.
Auch wir probieren die ungarische Köstlichkeit. Das Lammragout ist klar, aber was ist ein Slambucfözö? Das sind Teigwarenfetzen an einer Sauce, sehr lecker!
Am Abend wollten wir uns die Szenerie nochmals bei Feuerschein angucken. Aber alle Stände sind schon abgebaut, die Kochtöpfe leer gegessen und verstaut, das Fest ist für dieses Jahr vorüber.
  

hier wird eifrig gekocht

probiert und das Urteil abgegeben
eine Nachwuchssängerin
 in voller Aktion
ein Hobby- Koch am Werk



die Feuerwehr rückt aus

der Nachwuchs bei der Löschübung


majestätisch kommen sie daher

bei diesen Klängen machen die Zuschauer feurig mit
toll im Strech- Trabi herumgeführt zu werden

das leckere Slambucfözö