Unsere Reiseroute (blogabond)

Sonntag, 8. Juni 2014

Der Aralsee gestern und heute



Aus dem Geographieunterricht ist mir der Aralsee noch in Erinnerung als einen der grössten Seen der Erde. 1960 wies er eine stolze Fläche von rund 64'000 km2 auf und war ein fischreicher Salzsee. Heute beträgt die Fläche des nördlichen Aralsees noch rund 3300 km2!!!
Unter Stalins Führung wurden gigantische Bewässerungsprojekte für Baumwolle und Reis, zwei sehr Wasser intensive Kulturen, realisiert. Der Wasservorrat der riesigen beiden Zuflüsse schien unermesslich gross! Doch schon ab 1975 erreichte der Hauptzufluss im Norden, der Syrdarja, den See nicht mehr. Das Volumen verringerte sich dramatisch, ab 2003 noch schneller als prognostiziert. Der See teilte sich in zwei Seen auf, durch die Verringerung des Wasservolumens um 90% erhöhte sich der Salzgehalt um das vierfache. Der Fischreichtum wurde zerstört, der See galt als tot. Angesichts des gigantischen Ausmasses der Katastrophe und der Verantwortlichkeit von Kasachstan und Usbekistan, scheint eine Gesamtlösung nicht realistisch. So greift Kasachstan zu einer Teillösung, um den kleinen, nördlichen Teil des ehemaligen Aralsees zu erhalten. 2005 wurde ein Damm erstellt, um das Wasser zurückzuhalten und den Wasserspiegel anzuheben. Ebenfalls wurden die Bewässerungskanäle saniert, damit dem See wieder mehr Wasser zugeführt werden kann. Seit 2008 erholt sich nun der nördliche Teil des Sees langsam wieder. Es gibt sogar wieder Fische im See. Aber dies auf Kosten des südlichen Sees. Dieser verschwindet allmählich! Flächenmässig der grösste Teil des ehemaligen Sees ist nun eine Salzwüste.
Die Computeranimation im Wikipedia zeigt interessant und anschaulich, wie dramatisch sich der See in den letzten 50 Jahren verändert hat.
Als Folge der Verlandung blieben im ehemaligen Seegrund riesige Salzablagerungen und hohe Pestizidrückstände zurück, welche die Umwelt enorm belasten. Die Bevölkerung rund um den ehemaligen See leidet daher viel häufiger unter diversen Erkrankungen.
Ende Mai 2014 stehen wir am ehemaligen Hafen in Aral und diskutieren mit einem Mann, der als Junge hier noch gebadet hat! Das einstige Fischerdorf ist nun eine Wüstenstadt geworden!
Die Kräne recken ihre rostigen Hälse gegen den Himmel, im Hafenbecken liegen Reste von Schiffen, oberhalb der Wasserlinie wurden die Eisenteile zur Wiederverwendung abgetrennt!
Die Bewohner mussten sich mit dem Wandel arrangieren. Es herrscht reger Verkehr und Betrieb auf dem Marktplatz. Wir machen uns auf, um an das Seeufer zu fahren. Die Piste führt erst über die einstige Seekante hinab auf den Grund. Kilometer um Kilometer fahren wir auf der „Muschelstrasse“. Die Piste ist hell von den zerstampften Muscheln. Seitlich ist der Boden mit unzähligen Muschelschalen übersät. Nach rund 25 Kilometern erreichen wir eine verfallene Hafenmole. Der ehemalige Fischerhafen, verbunden mit einer Fahrrinne zum See wurde gebaut, als sich der See von Aral zurückzog. Er diente noch eine Weile als Hafen, bevor sich der See weiter zurückzog. Wo einst ein munteres Teiben herrschte, Fische entladen wurde, ist nur noch Verfall und Trockenheit. Heute bläst ein heftiger, heisser Wind, es „stinkt“ richtig, ganz anders, wie in der höher gelegenen Steppe. Wir fahren weiter und kommen zur ehemaligen Fahrrinne. Es hat sogar Wasser, gesäumt von grünen Pflanzen. Und dann gelangen wir nach rund 42 Kilometern in die Nähe des Seeufers und sehen hinter dem Sumpfgürtel die Wasserfläche! Gemessen an der ganzen Grösse des ehemaligen Sees ist dies „nichts“ aber für uns doch eindrücklich, so weit durch einen ehemaligen See zu fahren und die Auswirkungen der Wassermisswirtschaft von gestern jetzt zu sehen!
Auf dem örtlichen Flughafen bei Aral treffen wir auf die Filmcrew von Arte. Sie sind daran, einen Film über die Wasserwirtschaft in Zentralasien zu drehen. Wir haben Glück und dürfen auf einen kleinen Rundflug mit und können so den ehemaligen Seegrund bei Aral von oben anschauen! Danke dem unkomplizierten Team!

verrosteter Ladekran, das Mahnmal

ehemaliger Hafen mit gestrandeten Schiffen
die Eisenteile oberhalb der Wasserlinie sind zwecks
Wiederverwertung abgetrennt worden

gestrandetes Schiff, heute als Museum zu besichtigen

auf dem Hauptplatz von Aral

in der Markthalle wird alles angeboten

Piste auf dem ehemaligen Seegrund

die "Muschelstrasse", mehrheitlich als Wellblech!

ehemaliger Seegrund neben der Piste

Hafenmole in der Steppe

mit Blick auf die ehemalige Fahrrinne

Fahrrinne 15km weiter Richtung heutigem Seeufer

Salzablagerungen im ausgetrocknetem Aralsee

die Piste wird nach Regen zu einer Rutschpartie!

Jungs, das Empfangskomitee in einem Dorf, das früher am
Seeufer lag und heute mitten in der Steppe

ein stürmischer Wind kommt auf

die Kamelstute mit Jungem kommt vertrauensvoll zum
gri-gri in den Windschatten

Sie verschiebt gar die Leiter, um den optimalen Windschutz
zu erreichen und so verbringen die Beiden eine ruhige
Nacht neben dem gri-gri

mit dem Agraringenieur von Aral vor dem Doppeldecker

Aral aus der Luft
Die Salzablagerungen zeigen die ehemalige Wasserrinne

die ehemalige Uferkante ist noch immer gut sichtbar

beim interessanten Flug

die Filmcrew von Arte bei der Arbeit!

Erinnerung an das Fischerdorf Aral


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