Sommer im hohen Atlas

  


 

Spaniens Küste versinkt allmählich im Dunst, dafür zeichnen sich die marokkanischen Berge hinter der Küste ab.

Vor 50 Jahren waren wir das erste Mal mit unserem VW-Bus in Marokko auf dem Weg in die Sahara.

 

Die Küstenregion mit dem dichten Verkehr, der Autobahn mit Zahlstellen und den westlich gekleideten Leuten wirkt modern und aufgeschlossen.

 

Die Umgangssprache ist Arabisch und Tamazight, Französisch hört man im Alltag selten und oft entschuldigen sich die Verkäufer für ihr schlechtes Französisch. Doch die Einheimischen sind sich gewohnt, mit den Touristen umzugehen und durch sie ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Aber etwas hat sich in diesen 50 Jahren nicht geändert. Damals konnten wir Raibi kaufen, ein süsses Trinkjogurt in pinkfarbenen Becher. Wie ich in einem kleinen Laden nach «Raibi» frage, hält mir der Mann einen pinkfarbenen Becher hin!! Der Geschmack (Granatapfel) ist wie damals!! So trinken wir genüsslich das Raibi und schwelgen in Erinnerungen….

 

 

 



Nicht nur Europa ächzt unter einer Hitzeperiode, auch in Marokko ist es für die Jahreszeit ungewohnt heiss. Deshalb entschliessen wir uns, in die Berge, in den hohen Atlas zu reisen.

An einem sonnigen Morgen machen wir uns auf einer gut ausgebauten Piste von Midelt aus in die Berge. Trotz Dunst ist die Sicht in die ausgedehnte Ebene enorm, langsam rumpeln wir an einfachen Hirtencamps vorbei. Unter den Plastikplanen springen immer wieder Kinder zur Piste und rufen lauthals nach Geschenken und Geld.

Am Nachmittag erreichen wir ein ausgetrocknetes Flussbett. Langsam und vorsichtig fährt Robi um Steine und Geröll. Am Flussrand stehen mehrere Lehmbauten, Frauen und Kinder winken uns zu.

Die Fahrt endet vor der Jaffar Schlucht. Durch Regenfälle und Geschiebe ist sie unpassierbar geworden.

Wir beschliessen, vor der Schlucht zu campieren. Kurz darauf besucht uns ein Mädchen und gibt uns zu verstehen, dass wir zu ihnen nach Hause kommen sollen und bittet nach Geschenken.

Wenn nicht, würden wir, das heisst, das gri-gri mit Steinen beworfen, um Geschenke und Geld zu erhalten!

Um der ganzen Problematik zu entgehen, sagen wir bestimmt, dass wir gleich wegfahren würden.

Erst wieder durch das Bachbett zurück, winkend an den Leuten vorüber. Auf der Hauptpiste wählen wir eine Nebenpiste hinauf in die Berge.

Auf einer kleinen, ebenen Fläche stellen wir uns neben der Piste hin.

Erhaben und still ist es hier oben und wir verbringen ungestört eine ruhige Nacht.

Später lesen wir, dass die Unsitte mit den Steinen werfenden Kindern in Teil Regionen ein Problem darstellt. Wahllos Geschenke verteilen verbessert die Situation nicht wirklich und ruft negative Reaktionen hervor!

 

Dieses Frühjahr hatte es in Marokko enorm stark geregnet. Dadurch sind viele Pisten unpassierbar geworden. Wir entscheiden uns, den hohen Atlas auf der Hauptroute durch das Ziz Tal zu queren. In einer kargen Landschaft zieht sich ein breiter, grüner Streifen durch das Tal. Wie eine grüne Schlange. Aber diese Schlange besteht aus Tausenden von Apfelbäumen!

 

Nach den Gärten von Tinghir fahren wir in die enge Toudra Schlucht. Im klaren Fluss vergnügen sich zahlreiche Leute und baden und spielen im kühlenden Nass. Neben der schmalen Strasse hängen in allen Farben Tücher zum Verkauf an der Felswand. Ein fröhliches Treiben herrscht. Vorsichtig schlängelt sich Robi mit dem gri-gri durch das Gewusel.

Danach öffnet sich die Schlucht wieder, wir sind wieder allein unterwegs. Die Strasse windet sich teilweise sehr steil hinauf. Trotz Alter bewältigt unser gri-gri diese Herausforderung mit Bravour.

Über eine neue Strasse (sie ist noch nicht einmal im GPS erfasst) fahren wir an einem Stausee entlang und erreichen den kleinen Ort Tamtattouchte. In der Auberge Traditionelle werden wir freundlich empfangen und wir dürfen im Hof campieren.

«Ah, ihr fährt nach Imilchil, da könnt ihr bei meinem Sohn vorbeischauen. Er hat einen Camping direkt am Tislit See! Er ist mit einer Belgierin verheiratet». Das tönt richtig gut, nach tollem Ort!

 

Am nächsten Tag geht die Fahrt durch diese imposante, grosse und karge Bergwelt weiter. Am türkisfarbenen See werden wir schon empfangen. Der Vater hat uns telefonisch angekündigt. Ein heisser, süsser marokkanischer Tee stärkt unsere Seele.

Die Infrastruktur entspricht nicht unseren Vorstellungen von europäischer Mitwirkung. Kalt rieselt die Dusche, das Haus wirkt marode und ungepflegt.

Aber wir sind nicht hier, um Veränderungen anzustossen. Wir machen es wie die beiden Männer, die den ganzen Tag auf der Terrasse sitzen.

Wir setzen uns im Schatten vom gri-gri hin, kochen uns was feines, schauen auf den unglaublich friedlichen, schönen See.

Immer wieder kommen Hirten mit grossen Schaf- und Ziegenherden, um ihre Tiere am Wasser trinken zu lassen.

 

Die Legende erzählt, dass sich eine junge Frau und ein junger Mann ineinander verliebt haben. Aber die Verliebten entstammten von zwei unterschiedlichen Familien Clans. Eine Heirat der Beiden war undenkbar!

Darob mussten die beiden derart weinen, dass aus ihren bitteren Tränen die zwei Seen Tislit und Islit entstanden sind.

 

Leise streicht der Wind durch die Blätter, die Grillen starten ihren monotonen Gesang, Vögel zwitschern und singen, ein Hund bellt in der Nähe, wie eine rostige Pumpe hallt das «Iah» eines Esels über die Landschaft; ein neuer Sommertag kündigt sich an. Was er wohl für uns bereit hält?

 

 

 

grosse Schaf- und Ziegenherden sind in der kargen Bergwelt unterwegs





 

eine weite, offene Landschaft

 

 

 

 

eines der vielen Hirtencamps am Pistenrand

 

 

 

 

die Piste führt durch die unübersichtlichen Berge, hinauf und hinunter
 

 

 


die einfachen Lehmbauten der Berber


 

 

 

der Eingang zur Jaffar Schlucht

 

 

 

 

wir fahren durch das trockene Flussbett


 

 

 

 

auf der Rückfahrt nach Midelt

 

  

 

 

der Grüngürtel im Tal besteht aus Tausenden von Apfelbäumen

 

 

 

 

auch Frauen sind mit dem Rad unterwegs





 

am südlichen Ausläufer des Atlasgebirges treffen wir Dromedare

 

 

 

 

ein typischer Ort, teilweise verfallen die alten Bauten

 

 

 

 

Blick auf Tinghir





 

der Talgrund mit den verschieden grünen Gärten ist sehr hübsch

 

 

 

 

dahinter erhebt sich wieder das karge Gebirge

 

 

 

 

wo Wasser ist, gedeiht Leben



 

 

in der Toudrha Schlucht wird mitten im Fluss gecampt

 

 

 

 

Die Einheimischen geniessen das klare Wasser; es wird gebadet, gespielt, natürlich gegessen und getrunken, unter den Sonnenschirmen geplaudert und gelacht

 

 

 

 

eng ist es in der Schlucht, neben der Strasse ist kaum Platz für die bunte Warenauslage





 

sogar ein Gebäude steht unter den Felsen

 

 

 

 

am Ausgang der Schlucht macht sich ein Hirte eine Höhle zu Nutze
 

 

 

 

 

weiter geht es die schmale Strasse hinauf
 

 

 

 


an tollen Felsformationen vorüber



 

 

 

entlang des neuen Stausees, auf der brandneuen Strasse

 

 

 

 

In Tamtattouchte dürfen wir im Hof der Auberge Traditionelle campieren

 

 

 

Werbung am Wegrand. Genau so einen orangen R4 hatten wir vor 48 Jahren!!!





das Futter für die Tiere wird von Hand geschnitten, in Tücher eingewickelt und nach Hause getragen





Sogar auf über 2000 MüM sind Gärten angelegt





Der Esel ist ein wichtiger Helfer


 

 

 

 

in karger, luftiger Höhe

 

 

 

 

auf dem Tizi Pass auf 2645 MüM


 

 

 

 

die Warnschilder müssen sehr ernst genommen werden; es geht sehr steil bergab!

 

 

 

 

ein typischer Bus, der zwischen den Bergdörfern verkehrt

 

 

 

 

hier oben ist der Alltag einfach und hart; ein Handy besitzen jedoch überraschend viele






 

Durchfahrt durch ein Dorf

 

 

 

 

die Gefährte sind meist arg überladen!

 

 

 

 

hoffentlich kippt er nicht
 




 

 

Naturkunst in vollendeter Form und Farben

 

 

 

 

unser Platz am türkisblauen Tislit See

 

 

 

 

In der Auberge hängt ein grosses Bild. Die Legende erzählt, wie die beiden Seen durch die bitteren Tränen der zwei Liebenden entstanden sind





in der Auberge Tislit. Mit dem Bollerofen wird im Winter geheizt!



 

 

 

 

Blick auf das Gebäude mit dem See

 

 

 

 

die Fahrt geht Richtung Norden weiter





die Landschaft wird grüner





überall nisten Störche und klappern im heissen Wind

 

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