Miramar, ein Ort wird gesprengt - und ein Hotel voller Geheimnisse

 

 


 

Anfangs des 20. Jahrhunderts ist Miramar ein international bekannter Kurort. Dank seiner Lage am grössten See von Argentinien, dem Salzsee Mar Chiquita kommen Gäste aus Cordoba, Buenos Aires und aus der ganzen Welt, um im stark salzhaltigen See zu kuren.

Ein luxuriöser Anziehungspunkt ist auch das Hotel Viena, ein grosser Hotelkomplex, der nach dem zweiten Weltkrieg von einer deutschstämmigen Familie geführt wird.

Um die heutige Hotelruine rankt sich eine Vielzahl von Gerüchten, so soll es als Versteck hochrangiger Funktionäre des Nationalsozialismus gedient haben. Diese Gerüchte kamen vor allem zustande, da das Hotel nach wenigen Jahren Aktivität ohne naheliegende Gründe geschlossen wurde.

Anfangs der 1970-er Jahren zählt Miramar 4500 Einwohner und 110 Hotels können die Badegäste beherbergen.

Ab 1977 kommt es zu starken Niederschlägen. Der Wasserspiegel steigt kontinuierlich an und überflutet das Dorfzentrum Miramar. Der Wasserstand bleibt auch in den folgenden Jahren hoch, die Badegäste bleiben weg, die Hälfte der Dorfbewohner wandert ab.

Um den Dorfbewohnern eine Alternative zum Tourismus zu geben, werden Nutriafarmen in der Umgebung eingerichtet.

Die Stadtverwaltung möchte die Lage des Badeortes wieder verbessern und beschliesst 1992, den alten, überfluteten Ortsteil zu sprengen. Damit wird der Weg frei, eine befestigte Uferpromenade zu bauen, was in den darauffolgenden Jahren auch ausgeführt wird.

Seit 2010 sinkt, bedingt durch die allgemeine Dürre in Zentralargentinien, der Seespiegel wieder ab. Wieweit wird sich zeigen. Nicht nur die Trockenheit lässt den See schrumpfen, auch die Wasserentnahmen vom Zufluss Rio Dulce für die Landwirtschaft reduziert die Wassermenge enorm.

Heute ist Miramar ein Ort für Naturfreunde und auch baden kann man wieder gut, zum Teil inmitten von Ruinen, was einen besonderen Reiz ausmacht. Eine Vielfalt an Zugvögeln macht auf dem See Halt und lädt zum Beobachten ein.

Bei unserem Besuch ist der Wasserstand extrem tief. Trockenen Fusses können wir zu den Ruinen des ehemaligen Dorfes hinauswandern. Ein Stück der Strasse ist noch sichtbar, die Betonfundamente der Uferpromenade, ein Teil eines Turmes und Grundmauern der Häuser ragen aus dem Seegrund. Zeugen von einem blühenden Dorf.

Heute ist ein ausserordentlicher Tag. Seit langem regnet es, Nebel hängt über dem See und taucht die Szenerie in ein gespenstiges Grau.

Und rechts von uns thront die Ruine vom Hotel Viena, die luxuriöse Pracht verfallen und die geheimnisvolle Vergangenheit des Gebäudes vergessen!

Wollten wir baden, müssten wir erst eine längere Schlammwanderung in Kauf nehmen. Darum beschränken wir uns, am Ufer zu sitzen und auf den See zu schauen.

Auf der Wasserfläche sehen wir hunderte von Flamingos, wie rosarote Wolken schweben sie über dem Wasser.

Ein schönes und friedliches Bild vom Mar Chiquita.

 

 

unterwegs nach Miramar, seit Monaten regnet es wieder einmal

 

   

 

hier stand einst der Kurort Miramar am Ufer, beim heutigen, extrem niedrigen Wasserstand sind die gesprengten Häuser gut sichtbar

 

 

 


im Jahre 1992 wird das überflutete Dorf gesprengt. (Foto aus dem Internet)


 

 

 

Wir können über die einstige Strasse bis zur Hafenmole gehen



 

 

die Fundamente der Häuser ragen aus dem Schlamm

 


 

 

auf diesem Bild können wir überflutete Ruinen sehen. (Foto aus dem Internet)

 


der Sockel des Turmes steht noch immer neben der Strasse....
 

 

Strukturen des ehemaligen Dorfes

 

 

 


 

 

heute "wohnen" die Flamingos hier!

 

 

 


 

und die vielen Zugvögel, die hier auf dem See Rast machen



im Hintergrund sehen wir das ehemalige Hotel Viena




Fröhlicher Badebetrieb am Ufer (Foto aus dem Internet)



mit der neuen Quaianlage und Sandstrand (Foto aus dem Internet)



vor der imposanten Hotelfassade. Wenn uns das Gemäuer nur seine Geschichte erzählen könnte....



und ein Bild aus dem Internet bei hohem Wasserstand



heute befindet sich ein Museum in der Ruine, es war jedoch leider geschlossen



die Seitenansicht des damaligen Prunkbaus



und als Vergleich ein Bild aus dem Internet bei Hochwasser



bei unserem Besuch ist das Wasser weit weg, kaum vorstellbar, das diese Strasse überflutet sein könnte!


hinter dem Damm liegt das heutige Miramar, hübsch im Grünen


auf der anderen Seite des Dammes liegt der Hafen, die Schiffe liegen auf dem Trockenen!



über den neuen Sandstrand geht der Blick auf den Nebel verhangenen See hinaus



Hinter der bewehrten Uferpromenade laden Restaurants, Shops und Hotels zum Verweilen ein



Miramar wirbt für Gäste



auch überflutete Baumleichen stehen im Trockenen. Im Nebel eine mystische Stimmung



hinter dem Damm das schmucke Dorf



auch ein Kinderspielplatz darf nicht fehlen



auf dieser Infotafel wird die Route der Zugvögel erklärt, die am Mar Chiquita Halt machen



am nächsten Tag scheint wieder die Sonne, die paar Regentropfen sind verdampft



wie eine rosarote Wolke schweben die Flamingos auf dem See


Kommentare

  1. Liebe Heidi, Lieber Robi
    Herzlichen Dank für Euren Reisebericht. Super gemacht und und perfekt kommentiert von Heidi.
    Ich war 1986 in Cordoba und San Juan und konnte die netten Leute, ihre Gastfreundschaft, die grossen Grillpartys und das tolle Land erleben. Ich habe immer noch Kontakt zu den Leuten die ich damals getroffen habe.
    Der einzige Unterschied - ich musste arbeiten 😒.
    Gute Weiterreise und bleibt gesund.
    Franz Sidler

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen